Im August diesen Jahres gründete sich der Arbeitskreis "Mythos Dresden" mit dem Ziel, in das Gedenken am 13. Februar hineinzuwirken. Mit der heutigen Erklärung zur aktuell in der Sächsischen Zeitung losgetretenen Debatte um einen neuen Gedenkort, äußert sich der Arbeitskreis erstmals in der Öffentlichkeit.
Wir dokumentieren die Erklärung des Arbeitskreis "Mythos Dresden" und die Zeitungsartikel und Leserbriefe zur Diskussion um den neuen Gedenkort.
Erklärung des Arbeitskreises „Mythos Dresden“
zum Vorschlag eines Denkmals
„Zweimal auferstanden“ in Dresden
Zusammenfassung:
Die Initiatoren des Denkmals „Zweimal auferstanden“ ignorieren die Diskurse der letzten Jahre.
Der Arbeitskreis "Mythos Dresden" hält die Initiierung eines weiteren Denkmals an sich und vor allem die Grundidee des Denkmals für falsch.
Seit Jahren engagieren sich verschiedene Personen, Initiativen und Parteien in Dresden das Symbol Dresden nicht mit Mythen aufzuladen, sondern auf den Boden historischer Tatsachen zurück zu holen. Dabei wurde stets betont, dass die Erinnerungen an die Ereignisse vom 13./14. Februar 1945 in die Identität Dresdens eingeschrieben sind. Einen freien Umgang mit der Geschichte kann es nur dann geben, wenn man keinen ihrer Aspekte ausblendet.
Das bedeutet aber für uns, dass die Ereignisse nur im historischen Zusammenhang betrachtet werden können und dieser Zusammenhang auch in die Erinnerung der Stadt aufgenommen werden muss. Das heißt:
- Dresden war eben keine unschuldige Stadt ohne militärische Bedeutung, sondern schon vor der Machtergreifung Hitlers eine Hochburg der NSDAP, in der die rassistische, antijüdische Politik der Nationalsozialisten mit großem Eifer und breiter Unterstützung der Bevölkerung umgesetzt wurde.
- Dresden war militärisch bedeutsam, war Standort der Militärforschung, Rüstungszentrum und Verkehrsknotenpunkt.
- In Dresden brannte es schon weit vor 1945: Dresdner Nationalsozialisten verbrannten bereits am 8. März 1933 mit Unterstützung von Dresdner Studenten ihnen verhasste Bücher. 1938 setzten Dresdner SA-Angehörige die Synagoge am Hasenberg in Brand. In Dresden wurde durch die Staatlichen Kunstsammlungen in vorauseilendem Gehorsam die Schau „Spiegelbilder des Verfalls in der Kunst“ bereits im September 1933 inszeniert.
Dies heißt auch: Im Februar 1945 schlug jener Krieg zurück, den die Deutschen mit der Bombardierung der polnischen Stadt Wielun am 1.September vor 70 Jahren begannen und der eine systematische Zerstörung von Städten und Dörfern, damit auch die Vernichtung der Zivilbevölkerung und vor allem das historisch einzigartige Verbrechen des Holocaust bedeutete.
Genau diese Zusammenhänge werden von der vorgeschlagenen Installation des Denkmals ignoriert. Ignoriert wird auch der "Rahmen für das Erinnern", den im Herbst 2004 Vertreter/innen verschiedener Initiativen und der Stadtverwaltung veröffentlicht haben und der für die Erinnerungskultur in Dresden erste Grundmaßstäbe setzte, hinter die nicht zurückgegangen werden darf. In zwei internationalen Kolloquien haben sich Vertreter/innen aus Dresdner Vereinen und der Stadt mit Gästen aus Dresdner Partnerstädten dem Mythos Dresden und der symbolhaften Bedeutung Dresdens in der Welt kritisch genähert. Festgestellt wurde dabei, dass es in Dresden an der Erinnerung an die Geschichte des Nationalsozialismus vor der Bombardierung Dresdens mangelt. Initiativen, die zum Beispiel anhand des sog. „Judenlager Hellerberg“ andere Orte der Verfolgung und Vertreibung von Gegnern des Nationalsozialismus im öffentlichen Raum besser zur Geltung bringen wollen, warten seit Jahren auf Genehmigungen der Stadtverwaltung. Hier gibt es großen Nachholbedarf.
Der Opfer des Luftkrieges und insbesondere der Luftangriffe vom 13./14.Februar 1945 wird in Dresden bereits in vielfältiger Form und an authentischen Orten gedacht. Gedenkfeiern, Symposien, Kulturveranstaltungen, aber auch Mahndepots und zentrale Erinnerungsstellen wie auf dem Altmarkt bieten dafür Gelegenheit. Wozu braucht es dann eines weiteren Mahnmals - was kann dieses leisten? Die Diskussion darüber, woran wir wann, warum erinnern und mit welchen Botschaften dieses Erinnern aufgeladen sein sollte, kann es nicht führen und nicht ersetzen.
Das geplante Denkmal "Zweimal auferstanden" verstärkt die mythische Verklärung des Symbols Dresden. Es werden zwei historische Ausgangssituationen gleichgesetzt, die nicht miteinander vergleichbar sind: Die Zerstörung Dresdens 1945 als Folge aktiver Beteiligung an und ungenügenden Widerstandes gegen die NS-Diktatur und die Proteste gegen das DDR-System im Herbst 1989.
Darauf aufbauend nimmt das geplante Denkmal (... „auferstanden“) Bezug auf den schuldlos Gekreuzigten. Die geschichtsverfälschende Deutung besteht darin, Dresden sei nicht aus eigener Schuld zerstört worden und trage zudem – so wie der Christus in der biblischen Erzählung - die Schuld Anderer mit. An einem solchen Denkmal werden die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ und die NPD ihre wahre Freude haben. Doch selbst wenn man die „Zweimal Auferstandene" in Anklang an Prometheus betrachtet, bleibt die Idee der Skulptur mehr als zweifelhaft. Die Geniale, die Schöpferische sprengt alle Fesseln und Beschränkungen und erstarkt an Schicksalsschlägen. Diese Überhöhung führt die Debatten der letzten Jahre in Dresden ad absurdum und ist kontraproduktiv hinsichtlich einer Entmythisierung der Stadtgeschichte.
Eine Einbindung des Denkmals in einen so genannten Denkweg hilft ebenso wenig. Wenn ein Gedenkweg mit dem Grundgedanken der Auferstehung angelegt wird, trägt er Züge eines Kreuzweges. Im Gegensatz zum christlichen Kreuzweg jedoch, der den Menschen durch den Blick auf Christus zu Selbstbesinnung und Buße führen soll, steht beim geplanten städtischen Weg des Gedenkens der Mensch im Mittelpunkt und wird selbst zum Auferstandenen, eine unerträgliche Anmaßung.
Als im Februar 1990 die Bürgerinitiative für den Wiederaufbau der Frauenkirche mit dem „Ruf aus Dresden“ an die europäische Öffentlichkeit trat, war die Rede vom Wiederaufbau des Gotteshauses als christliches Weltfriedenszentrum, in dem „in Wort und Ton das Evangelium des Friedens verkündet, [...] Bilder des Friedens gezeigt, Friedensforschung und Friedenserziehung ermöglicht werden.“ sollen. Das geplante Denkmal wirkt nach unserer Meinung genau dem entgegen.
Arbeitskreis „Mythos Dresden“:
Kulturbüro Sachsen e. V.
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V.
HATiKVA - Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V.
Elke Zimmermann, Dresdner Stadträtin von Bündnis 90/ Die Grünen
Sabine Friedel, Dresdner Stadträtin der SPD und MdL im Sächsischen Landtag
Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, MdL von Bündnis 90/ Die Grünen im Sächsischen Landtag
Eva Jähnigen, Dresdner Stadträtin von Bündnis 90/ Die Grünen und MdL im Sächsischen Landtag
Montag, 5. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Ein Denkmal für die Kraft der Dresdner
Von Peter Ufer
Ein
gestürzter Mensch, der sich aufbäumt, ein Gefallener, der aus eigener
Kraft aufersteht. So wie die Dresdner, so wie ihre Stadt. Das zeigt die
Skulptur des Chemnitzer Künstlers Michael Morgner.
Vier Meter
hoch soll die Figur sein, zehn Meter lang, aus 20 Zentimeter dickem
Stahl, 100 Tonnen schwer. Der sich aufrichtende Mensch stellt mit
gekrümmten, aber ungebrochenem Rückgrat den Elbbogen dar. Unter ihm die
Grundplatte, die die Form in einem Negativrelief aufnimmt. So wie
Caspar David Friedrich 1831 die Elblandschaft in seinem Gemälde „Das
Große Gehege bei Dresden“ sah.
Diese Skulptur soll neben der
Semperoper, auf dem gegenwärtig mit Rasen bewachsenen Platz zur Elbe
hin, unweit des Italienischen Dörfchens, stehen. So jedenfalls stellt
es sich ein Dresdner Initiativkreis um Sänger Gunther Emmerlich,
Trompeter Ludwig Güttler, den früheren Banker und Ex-Chef der
Kulturstiftung der Dresdner Bank Bernhard Freiherr von Löffelholz sowie
Michael Muster, früherer Ministerialdirigent im Finanzministerium, vor.
Der Pensionär und umtriebige Dresdner ist zugleich Sprecher der
Initiatoren.
Gedenkort für Bombenopfer
Seit gut zwei
Jahren treibt ihn die Idee um. Denn es soll nicht nur eine Skulptur für
Dresden entstehen, sondern zugleich ein Platz, der für die Dresdner da
sein soll, um am 13.Februar Kränze für die Opfer des Bombenangriffs
niederlegen zu können. „Der Weg des Gedenkens könnte dort enden, jener
Weg der bereits im vergangenen Jahr gegangen wurde, beginnend an der
Synagoge, weiter über den Altmarkt, den Neumarkt zur Semperoper hin“,
sagt Muster.
Die Idee stammt von Ludwig Güttler, der schon im
vergangenen Jahr anregte, einen gemeinsamen Weg aller Dresdner zu
finden, um würdig der Opfer des 13. Februar zu gedenken.
Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) und Ministerpräsident Stanislaw
Tillich (CDU) unterstützen die Idee.
„Allerdings wollen wir auf
keinen Fall, dass hier etwas entsteht, was die Dresdner nicht wollen“,
sagt Michael Muster. Denn sein Elan wurde bereits gebremst. Da der
Platz neben der Semperoper, der Eigentum des Freistaates ist, im
historischen Zentrum der Stadt liegt, muss das Landesamt für
Denkmalpflege gehört werden.
Landeskonservatorin Rosemarie
Pohlack lehnt das Kunstwerk nicht grundsätzlich ab. Allerdings: „Es
passt im Maßstab einfach nicht zur Semperoper und dem gesamten
städtebaulichen Ensemble“, sagt sie. „Außerdem soll der Platz nach
bisherigen Plänen komplett gepflastert werden. Dieser Versteinerung der
Fläche kann ich nicht zustimmen. Die Begrenzung des Theaterplatzes
ginge damit verloren. Wir befinden uns hier auf einem der schönsten
Plätze Europas, da sollten wir sehr sensibel sein“, sagt Pohlack.
Skulptur ohne reale Funktion
Michael
Muster ist über die Entwicklung nicht glücklich. „Wir haben Frau
Pohlack auf ihre Bedenken geantwortet und vorgeschlagen, über die Größe
der Figur noch einmal zu reden. Auch die Platzgestaltung, die in
Verantwortung des Baumanagement des Freistaates liegt, steht keineswegs
fest“, sagt Muster. „Leider haben wir von Frau Pohlack nie wieder etwas
gehört.“
Gehört dagegen haben die Initiatoren von der Dresdner
Kunstkommission. Michael Morgner stellte dort seine Skulptur vor und
stieß auf wenig Gegenliebe. Mit drei Argumenten wurde die Idee
abgelehnt.
Kulturbürgermeister Lunau erklärte dies in einen
Brief so: Erstens: Das Kunstwerk nimmt keinen Bezug zur unmittelbaren
Umgebung. Es findet lediglich eine scheinbare Auseinandersetzung mit
der Umgebung statt. Zweitens: Die Plastik in den Weg des Erinnerns
einzubinden, ist nicht nachvollziehbar. Wenn wirklich an die Zerstörung
der Stadt erinnert werden soll, sei der Ort der falsche. Die Plastik
sollte dort stehen, wo tatsächlich noch heute Einschnitte sichtbar
sind, nicht dort, wo alles aufgebaut sei. Drittens: Das Verfahren, um
die Skulptur aufzustellen, sei nicht transparent. Für Kunst im
öffentlichen Raum sei eine Ausschreibung nötig.
„Wir haben ein
Kunstwerk, einen Künstler, es gibt ein Stück Land, es gibt Sponsoren,
aber dennoch wird ein öffentliches Verfahren gefordert. Das muss man
erst mal verstehen“, sagt Muster. Aufgeben will er nicht. „Ich möchte
eine Debatte mit den Dresdnern, um zu wissen, ob sie die Idee
mittragen.“
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2279050
Montag, 5. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Dresdner fragen und entscheiden lassen
Denni Klein
zum neuen Denkmal des Erinnerns an den 13. Februar 1945
Wie erinnert man richtig an ein Ereignis, dass Dresden wie keine anderes veränderte? Diese Frage hat keine allein gültige Antwort. Aber Dresden
sollte sich mit seiner Erinnerungskultur auseinandersetzen. Die
Zeitzeugen werden bald nicht mehr dafür sorgen können. Doch um eine
erneute Grausamkeit, wie den Zweiten Weltkrieg, für immer zu
verhindern, braucht es Konzepte und Angebote.
Da kommt der
Vorstoß der Initiative genau richtig. Zum einen zeigt der Vorschlag das
Bedürfnis der Menschen nach einem Symbol und einem zentralen Ort des
Erinnerns. Zum anderen steckt in der Idee eine Chance, künftigen
Generationen beim Erinnern zu helfen. Ob die vorgeschlagene Form für
die Dresdner die Richtige ist, sollten sie mit entscheiden. Es gibt
nicht das eine, richtige Erinnern. Aber eine Erinnerungsstelle, die
nicht angenommen wird, braucht es nicht.
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Dresdner_fragen_und_entscheiden_lassen/articleid-2279261
Dienstag, 6. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Emmerlich will „Zeitzeichen“ für Dresden
Von Peter Ufer
Gunther Emmerlich setzt sich für das Mahnmal zum Gedenken an den 13. Februar ein. Es soll zum neuen Weg des Gedenkens gehören.
Gunther
Emmerlich stellte sich gestern vor die Semperoper und sagte: „Ich
möchte gern dieses Mahnmal, um einen Akzent unserer Zeit zu setzen.
Dresden braucht ein Zeitzeichen.“
Zweimal auferstanden
Gemeinsam
mit dem Trompeter Ludwig Güttler und dem ehemaligen
Ministerialdirigenten im Finanzministerium Michael Muster möchte er auf
dem Platz neben der Semperoper eine Skulptur von Michael Morgner
aufstellen.
Als die Idee gestern durch die SZ bekannt wurde, gab
es viele Reaktionen. Gunther Emmerlich: „Diese Skulptur steht für die
Auferstehung dieser Stadt, die ja zweimal auferstanden ist. Einmal nach
dem Krieg und ein zweites Mal nach 1989.“ Die Morgner-Skulptur soll
jedoch nicht allein stehen, sondern in den Weg des Gedenkens am 13.
Februar eingebunden werden. Dafür bereitet Ludwig Güttler gerade ein
Konzept im Auftrag des Rathauses vor. Ende der Woche soll es
Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) vorliegen.
Nach der Idee
soll der Weg des Gedenkens an die Opfer der Bombennacht vom 13. Februar
1945 an der Synagoge starten, weiter zur Kreuzkirche am Altmarkt gehen,
dann zur zerstörten Sophienkirche, dort wo gerade die Busmannkapelle
entsteht, weiter zum Theaterplatz, zur Hofkirche und dann über die
Brühlsche Terrasse, den Georg-Treu-Platz zur Frauenkirche. „Der Weg des
Gedenkens geht an den Kirchen entlang. Die Idee ist, dass jeder den
ganzen Weg mitgehen, aber auch teilweise dabei sein kann. Beschritten
werden kann er jedoch zu jeder Zeit. Es gibt Markierungen, die an das
Schicksal der Dresdner erinnern. Das Mahnmal von Michael Morgner würde
sich in diesen Weg hervorragend einfügen“, sagte gestern Ludwig Güttler.
Bannmeile für das Gedenken
Die
Idee wird jetzt gemeinsam mit der Stadt, der Oberbürgermeisterin, den
Stadträten, Gewerkschaften, Vereinen und anderen Initiatoren
diskutiert. Emmerlich: „Es geht darum, dass die Dresdner aktiv sind und
nicht am Ende die Aktion eine bloße Reaktion auf andere ist. Außerdem
ist dieser Weg dann feststehend und darum gibt es eine Bannmeile.
Demonstrationen von rechts- oder linksextremen Organisationen sind
damit ausgeschlossen.“ Gunther Emmerlich, Ludwig Güttler und Michael
Muster haben inzwischen viele Sympathisanten. Mit ihrer Idee wollen sie
jedoch zunächst eine Debatte anstoßen.
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Emmerlich_will_Zeitzeichen_fuer_Dresden/articleid-2280218
Dienstag, 6. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Gute Idee für den 13. Februar
Peter Ufer über die Idee des Gedenk-Weges für den 13. Februar
Gut,
dass jetzt bereits darüber gesprochen wird, wie im kommenden Jahr
öffentlich der Opfer des 13. Februars gedacht werden soll. Eine
unentschlossene Veranstaltung wie in diesem Jahr sollte sich Dresden
nicht noch einmal leisten.
Gut, dass sich die
Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) diesmal an die Spitze stellt. Von
ihr muss die Aktion ausgehen, um von möglichst vielen Dresdnern
getragen zu werden.
Gut, dass sich Ludwig Güttler intensiv
Gedanken macht, um ein Konzept zu entwickeln, das nicht von einer
Partei instrumentalisiert ist, sondern aus dem Wunsch entsteht, den
Opfern würdig zu gedenken. Dazu ist der Weg des Gedenkens ein
Vorschlag, über den sich zu diskutieren lohnt.
Gut, dass der Weg
des Gedenkens einen Kreis um die Innenstadt zieht, an Plätzen
vorbeigeht, die unmittelbar mit dem 13. Februar 1945 verbunden sind.
Eine Bannmeile löst zwar nicht das Nazi-Problem, hält es aber draußen.
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2280555
Mittwoch, 7. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Pro: Ein gutes Denkmal zum Nachdenken
Ich
finde die Idee einer Skulptur zum Gedenken an die Wiederauferstehung
der Stadt Dresden sehr wichtig. Das Bildwerk von Michael Morgner zeigt
auf eindrucksvolle Weise einerseits die Verzweiflung, andererseits das
sich Aufbäumen, Auferstehen der Dresdner und ihrer Stadt.
Die
Gestaltung der umgebenden Platzfläche bedarf allerdings sehr
sorgfältiger Überlegungen, eine Pflasterung zum Beispiel kann ich mir
nicht vorstellen.
Das geplante Denkmal neben der Semperoper sehe
ich nicht als alleinstehende Skulptur, sondern im Zusammenhang mit dem
Weg des Gedenkens und vor allem mit dem „Großen Trauernden“ von Wieland
Förster, der unbedingt wieder auf den Georg-Treu-Platz gehört.
In
diesen beiden Plastiken zeigt sich das Spannungsfeld der jüngsten
Dresdner Geschichte. Den Weg des Gedenkens damit zu verbinden, halte
ich für sehr angemessen.
Die Stadt verträgt eine moderne Plastik.
Die
von Morgner ist durchaus diskussionswürdig und schon deshalb eine gute
Idee. Sie sollte nicht von vornherein abgelehnt werden, sondern bedarf
eines Nachdenkens.
Gerhard Glaser
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Pro_Ein_gutes_Denkmal_zum_Nachdenken/articleid-2281455
Mittwoch, 7. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Die Skulptur erfüllt schon ihren Zweck
Peter Ufer
über die Debatte zur neuen Skulptur für den 13. Februar
Die
Idee für die neue Skulptur zum Gedenken an den 13.Februar 1945 wirkt
bereits. Eine große Debatte über den Umgang mit Symbolen, mit der
Erinnerungskultur in der Stadt wurde in Gang gesetzt.
Schon
deshalb muss man den Initiatoren dankbar sein. Denn nach dem
Demonstrationsdebakel vom vergangenen Februar kritisieren Dresdner
Initiativen und Vereine berechtigt, dass die Stadt seitdem kaum etwas
unternommen hat. Jedenfalls sind sie in die neuen Konzepte bisher nicht
einbezogen worden. Die Debatte muss dringend fortgesetzt werden. Denn
schon jetzt ist klar, dass zum 65. Jubiläum die Braunen das Gedenken an
den 13. Februar missbrauchen wollen.
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Die_Skulptur_erfuellt_schon_ihren_Zweck/articleid-2281442
Mittwoch, 7. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zum
Beitrag „Ein Denkmal für die Kraft der Dresdner“ in der SZ vom 5.
Oktober schreiben mehrere Leser. Wir veröffentlichen eine Auswahl aus
Zuschriften:
Gedenken an der Frauenkirche sinnvoll
Es war
lange Zeit üblich für viele Dresdner, am 13. Februar an der
Frauenkirche zu gedenken. Für mich wirft sich die Frage auf , warum nun
dieser Platz nicht weiterhin genutzt werden soll, gerade weil die
Frauenkirche wieder errichtet wurde. Fühlen sich die Leute, die nun
dies vorgeschlagen haben, da nicht mehr wohl? Und dann bitte nicht mit
dieser Skulptur. Eine einfache Stele mit der Aufschrift über das
Geschehen würde sich besser ins Stadtbild einfügen. Manfred Hengst,
01156
Denkmal zeigt eindringlich die Dimensionen des Leids
Das
neu konzipierte Denkmal hebt sich wohltuend vom bisher bestehenden auf
dem Altmarkt ab. Es zeigt in seiner Größe eindringlich die Dimensionen
des Leidens der damaligen Bevölkerung. Doch das war es dann leider auch
schon. Ohne weitere Erklärung, und das sollte bei einem solchen Denkmal
nie der Fall sein, würde sich dem Betrachter dessen Anliegen nie
erschließen. Auch würde das historische Ambiente um den Theaterplatz,
wie in Dresden leider schon bei zu vielen anderen Plätzen und Straßen
passiert, stark leiden. Andreas Peschel, per E-Mail
Vorhandenes Mahnmal
ist in eine Ecke verbannt
Wir
haben bereits ein Denkmal. Wieland Försters „Große Trauernde“, die
heute in einer Ecke des Zwingers zu sehen ist, war jahrelang das Symbol
der Trauer und der Kraft der Dresdner. Und es stand an einer
exponierten Stelle: Vor dem Schloss. Wieland Förster, ein Dresdner, der
nächstes Jahr 80 Jahre alt wird, wird in eine „Ecke“ verbannt, und ein
Nichtdresdner versucht mit 100 Tonnen Stahl zu punkten. Dieter Hoefer,
01326
Mein Vorschlag: Denkmal aus Sandstein gestalten
Ein
würdiges Denkmal für den 13. Februar in Dresden, ja. Aber lasst unsere
modernen Künstler nicht in die Innenstadt. Die Panzerkette auf dem
Postplatz und weitere Objekte sind genug. Noch ein Eisenhaufen und dazu
noch auf dem Theaterplatz wäre ein Greuel. Mein Vorschlag, eine
einfache Sandsteinstele mit ein paar Trümmerstücken herum, vielleicht
noch einen Baum gepflanzt als Zeichen des Lebens – das genügt. Für das
weitere Zupflastern von Flächen haben wir in Dresden schon ein Mahnmal,
siehe Postplatz. Günter Miksch, 01097
Gedenksäule gehört auf den Neu- oder Altmarkt
Ich
kann als Dresdner die Idee eines Denkmals für die sinnlose Zerstörung
1945 nur begrüßen. Das Denkmal müsste allerdings in würdevoller Größe
und im Zusammenhang mit dem 13. Februar 1945 stehen, zum Beispiel eine
20-Meter-Säule mit Darstellung der Menschen und Opfer. Der
Aufstellungsort sollte unbedingt der Altmarkt oder Neumarkt sein.
Rolf Sandig, 01109
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Hier_schreiben_die_Leser/articleid-2281331
Dienstag, 13. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zum Beitrag „Dresden braucht ein Zeitzeichen“, in der SZ vom 6. Oktober:
Mahnmal ja, an dem geplanten Ort – nein.
Dresden
braucht ein Mahnmal, aber bitte nicht so etwas und an diesem Platz. Der
Platz ist längst gefunden: Auf dem Altmarkt, wo Tausende Tote damals
verbrannt werden mussten. Und wenn es unbedingt eine „Skulptur“ sein
soll, dann aus Stahlträgern den Verbrennungsrost nachbauen und darauf
in allen gängigen Sprachen der Welt informieren, was damals an dieser
Stelle passiert ist.
Jürgen Steinert, per E-Mail
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Hier_schreiben_die_Leser/articleid-2286649
Dienstag, 14. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zum Beitrag „Dresden braucht ein Zeitzeichen“ in der SZ vom 6.Oktober:
Ein Obelisk mit Inschrift wäre angebracht
Ich
habe das Ganze als 18-Jährige gesehen und erlebt. Auf dem Altmarkt
hatte man einen Löschwasserteich errichtet. In diesen sind viele Leute
brennend gesprungen und ertrunken. Als Denkmal stelle ich mir einen
dreieckigen Obelisk aus Stein mit sichtbaren Inschriften vor, dort, wo
auf dem Altmarkt Tausende Tote aufgeschichtet und verbrannt wurden.
Inge Handrack, 01217
Stadt nicht weiter ihrer Seele berauben
Warum
soll in Dresden noch ein weiteres Zeitzeichen entstehen? Brauchen
Künstler und eine Pflasterfirma dringend Aufträge? Warum nicht gleich
den Großen Garten pflastern? Der Postplatz mit seinen riesigen leeren
Flächen und den eisernen Schandmalen ist Mahnung genug, wie es einer
Stadt ergeht, die erst von Bomben und dann von meist importierten
„Stadtplanern“ ihrer Seele beraubt wird? Dieter Schulz, per E-Mail
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Hier_schreiben_die_Leser/articleid-2287663
Donnerstag, 15. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zu Veröffentlichungen zum Thema „Gedenken an den 13. Februar“ schreiben Leser:
Interpretation verletzt nicht nur mich
Für mich ist die Interpretation von Herrn Emmerlich nicht hinnehmbar, weil sie die Aufbauleistung der Dresdner nach dem Krieg missachtet. Bei allen Mängeln, die Dresden 1989 hatte: Ein solcher Vergleich ist unverantwortlich und dürfte nicht nur mich verletzen. Für mich ist ein nur stilles Gedenken auch problematisch. Wer die Gründe nicht benennt, überlässt Rechtsradikalen und Neonazis das Feld für deren Interpretation. Rudolf Seifert, 01067
Bildhauer können Weg des Gedenkens bereichern
Die Idee des Gedenkens ist gut und notwendig und ein würdiger Schritt. Als Dresdner Bildhauer befasse ich mich seit vielen Jahren mit Entwürfen für ein Mahnmal für den 13.Februar. Mein Vorschlag: Der Weg des Gedenkens sollte durch Werke von Bildhauern bereichert werden, auch durch ein Mahnmal für Coventry und Dresden als Zeichen der Versöhnung Prof. Helmut Heinze, Kreischa
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2288815
Freitag, 16. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zum Thema „Denkmal für den 13.Februar“:
Bescheidenes Denkmalmit Platz für Kerzen
Als 72-jähriger Ur-Dresdner lehne ich sowohl die Gestaltung wie auch den Standort des Denkmales strikt ab. Mein Vorschlag: Der Ort sollte der Altmarkt sein, wo ein bescheidener Sandsteinkubus, in geeigneter Weise gestaltet, als Ort des Erinnerns dient. Der Weg des Gedenkens führt direkt dort vorbei und jedermann hat die Gelegenheit, Blumen niederzulegen oder ein Licht zum Gedenken aufzustellen.
Richard Kätzel, per E-Mail
Mahnmal sollte von den Dresdnern gewollt sein
Dem Errichten eines Mahnmals zum Gedenken des 13. Februar 1945 stimme ich absolut zu. Allerdings bedarf die Art des Mahnmals und der Ort der Aufstellung der wirklichen Mehrheit der Dresdner Bürger. Jegliche Diskussionen nach der Weihung wären und sind auch sinnlos. Ich schlage vor, das Mahnmal dem Ruinen-Fragment anzugleichen. Also aus einem Bruchsteinkegel ragt in einem verträglichen Verhältnis aus Stahl die allen sehr eindringliche Silhouette des einstigen Altarfragments der Frauenkirche. Zwischen dem Mahnmal und der Frauenkirche könnte durchaus direkte Sicht bestehen. Gunter Weyhmann, 01219
http://www.sz-online.de/Nachrichten/Dresden/Hier_schreiben_die_Leser/articleid-2289765
Montag, 19. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zum Beitrag „Ein Denkmal für die Kraft der Dresdner“ schreiben mehrere Leser:
Endlich ist Bewegung in die Diskussion gekommen
Ich freue mich, dass durch Impulse namhafter Dresdner Bewegung in die Diskussion um eine dem 13. Februar angemessene, würdige Trauerkultur gekommen ist. Es wäre schön, wenn dadurch die fast ausschließlich politisch gefärbte Demonstrationskultur der letzten Jahre endlich der Vergangenheit angehören würde. Über den Standort, die Größe und das
Erscheinungsbild des Denkmals sollte sachlich diskutiert werden. Der angedachte Platz neben der Semperoper erscheint mir nicht gerade glücklich gewählt. Der Entwurf ist aus meiner Sicht überdimensioniert und auch zu kompliziert. Ein Gedenkstein oder eine Stele am Neumarkt, in der Nähe der Frauenkirche, könnte diesem Anliegen auch gerecht werden.
Christian Fleischer, per E-Mail
Echte Künstler und ein befugtes Gremium fragen
Dieses Modell spricht nicht im Geringsten das an, was passierte. All diese Grausamkeiten sind in dem „auseinandergezogenem Topfreiniger“ nicht im Geringsten wiedergegeben. Man sollte Modellvorschläge von echten Künstlern einholen und diese einem befugten Gremium zur Auswahl geben. Oder soll hier wieder unsere Kunst-und Kulturstadt verschandelt werden, siehe Postplatz, Wasserspiele, Altmarkt-Peitschenlaternen?
Wolfgang Sachse, 01279
Mittwoch, 21. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Hier schreiben die Leser
Zu dem Denkmal für den 13. Februar:
Denkmal ja, aber an anderer Stelle
Ich begrüße die Initiative zur Errichtung eines Denkmals für die Opfer des 13. Februars von Gunther Emmerlich und anderen prominenten Dresdnern sehr. Allerdings ist die Form und der Ort des Denkmals vollkommen inakzeptabel. Dieses Stahlkonstrukt würde das Stadtbild erneut verunstalten. Ein geeigneter Ort für das Denkmal wäre der Altmarkt. Man könnte aus Sandstein, dem alten „Germania Standbild“ nachempfunden, ein würdiges und optisch passenderes Denkmal für die vielen Opfer der Bombardierung setzen.
Hendrik Höne, per E-Mail
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Sächsischer Bote
Gedenkmeile zum 13. Februar
Kein Gegeneinander der Initiativen mehr / gedenken und mahnen
Oberbürgermeisterin Helma Orosz hat offensichtlich aus dem Streit um die Art des Gedenkens an den 13. Februar vom Anfang dieses Jahres gelernt und den 65. Jahrestag der Zerstörung Dresdens im nächsten Jahr zur Chefsache gemacht.
"Die Stadt wird ein Signal setzen und kein Gegeneinander der verschiedenen Initiativen zulassen. Wir werden den 13. Februar zum Gedenken, aber auch zur Mahnung, dass nie wieder ein Krieg stattfindet gestalten", sagte die OB.
Die Altstadt wird ein Ort der stillen Andacht, aber auch des Protestes gegen den Rechtsextremismus. Eine Menschenkette von rund 7000 Personen soll ab 12 Uhr die City umschließen, in der es eine Reihe von Veranstaltungen gibt. Dazu gehören eine Andacht in der Frauenkirche, ein Konzert im Kulturpalast und die Verleihung des Preises "Friends of Dresden" an den früheren Präsidenten der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, in der Semperoper. Voraussichtlich auf dem Altmarkt will Helma Orosz als höchste Repräsentantin der Stadt eine Rede halten. Kirchen, Parteien und Gewerkschaften sind weitsichtig in das Konzept eingebunden und haben bereits Konsens signalisiert.
Gleichzeitig lehnt der Arbeitskreis "Mythos Dresden" die Grundidee eines neuen Denkmals auf dem Theaterplatz (
wie es auch unser neues Brückenmännchen vergangene Woche sah) ab.
Der Opfer der Luftangriffe am 13./14. Februar 1945 würde in Dresden bereits in vielfältiger Form und an authentischen Orten gedacht. "Wozu braucht es dann eines weiteren Mahnmals und was kann dieses leisten?", heißt es in einer Erklärung des Arbeitskreises, in dem unter anderem auch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. vertreten ist.
Montag, 26. Oktober 2009
(Sächsische Zeitung)
Museumschef für Denkmal zum 13. Februar
Ein weiterer Prominenter unterstützt die Idee eines Denkmals für den 13. Februar 1945. Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, sagte der SZ: „Ein Denkmal, das an die Schrecken des 13. Februar in Dresden erinnert, ist wichtig für die Dresdnerinnen und Dresdner. Menschen brauchen einen Platz, um ihre Trauer zu verorten. Ich fände es richtig, zu diesem Zweck einen Ideenwettbewerb zu initiieren, damit auch Dresdner Künstlerinnen und Künstler ihre Ideen beisteuern können.“
Anfang Oktober hatte eine Initiative um die Dresdner Musiker Gunther Emmerlich und Ludwig Güttler Pläne für eine Skulptur an der Semperoper veröffentlicht. Das zehn Meter lange Stahl-Denkmal des Chemnitzer Künstlers Michael Morgner soll an die Zerstörung, aber auch den Aufbau der Stadt erinnern. Denkmalschützer lehnen zwar nicht die Idee, dafür aber die konkreten Pläne ab. Die Skulptur sei zu wuchtig.
Seit Jahren tobt in Dresden ein Streit um das würdevolle Gedenken an die Zerstörung der Stadt. Rechtsextremisten missbrauchen den 13. Februar als Anlass für einen sogenannten Trauermarsch. Demokratische Initiativen hatten sich Anfang des Jahres über Gegen-Aktionen zerstritten. Im kommenden Jahr wollen sie aber unter Federführung von Rathauschefin Helma Orosz (CDU) kooperieren. (SZ/ale)