16 Dezember, 2008 21:57
Am 16.12. sind die Organisatoren von Geh Denken mit ihrem Konzept für die Gegenaktivitäten zum Naziaufmarsch am 14.02.2009 an die Öffentlichkeit gegangen. Zentraler Punkt des Konzeptes sind Demonstrationszüge auf beiden Seiten der Elbe, die sich sternförmig in die Innenstadt bewegen sollen. Unsere Antifademonstration unter dem Motto ¡No pasarán! Kein Ort für die Verdrehung der Geschichte! ist ein inhaltlich und organisatorisch eigenständiger Teil davon.
Die Veranstalter von Geh Denken wollen außerdem ein Popkonzert mit vielen Prominenten organisieren (mehr dazu in den Presseartikeln). Die jüdische Gemeinde wird wie im letzten Jahr die Synagoge öffnen und ab 10:00 Uhr einen überkonfessionellen Gottesdienst durchführen.
Oberbürgermeisterin Helma Orosz wird am 17.12. ihr Konzept für eine stille Gedenkprozession am 14.02. vorstellen. Im Vorfeld wurde angedeutet, dass diese möglicherweise in das Konzept der Demonstrationszüge von Geh Denken integriert wird. Neu aufgelegt wird dieses Jahr auch wieder das Konzept des Tragens der weißen Rose. Erfunden wurde es zum 60. Jahrestag der Bombardierung von "Aktion Toleranz", eine Stiftung die von der Sächsischen Zeitung, der Stadt und den Kirchen unterstützt wird, und will bewußt Assoziationen an die während des Nationalsozialismus aktive Widerstandsgruppe Weiße Rose wecken. Anstatt sich aber tatsächlich in die Tradition der Widerstandsgruppe zu stellen, die aus antifaschistischer Überzeugung heraus unter Einsatz ihres Lebens praktische Widerstandsarbeit geleistet hat, soll es hier zum einen vor allem ein, in typisch sächsischer extremismustheoretisch motivierter Gleichsetzung, Zeichen des stummen Protests gegen den Auftritt "Rechtsextremer" und "Linksextremer" beim Gedenken an die Zerstörung Dresden sein. Zum anderen stünde es für Versöhnung, wobei offen gelassen wird, ob damit gemeint ist, dass die DresdnerInnen sich jetzt großzügigerweise mit den Alliierten und den Jüdinnen und Juden versöhnen wollen.
Update: Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hat am 17.12. ihr Konzept vorgestellt. Wie schon angekündigt, sind am 14. Februar 2009 Friedensgebete und Stilles Gedenken geplant. Man will nach Friedensgebeten in der Kreuzkirche und der Kathedrale zum Altmarkt ziehen und dort nochmal eine Mahn- und Gedenkveranstaltung durchführen. Auf dem Altmarkt soll dabei eine Gedenkschrift an die Opfer der Bombardierung angebracht werden. So sehen die Vorstellungen der Dresdner CDU von einem Zeichen gegen den Naziaufmarsch aus...
Update2: Auf Telepolis erschien am 21.12. außerdem vom Dresdner Journalisten Olaf Meyer eine Einschätzung zum Verhalten der CDU-Stadtverwaltung in Bezug auf den bürgerlichen Protest gegen den Naziaufmarsch am 14. Februar.
Die Aktion: Als sich der Jahrestag der Bombardierung Dresdens zum sechzigsten Mal jährte, trugen viele Dresdner eine weiße Rose. Gestartet wurde die Aktion von der „Aktion Toleranz“, der Stiftung gegen Rechtsextremismus der Sächsischen Zeitung. Das Symbol: Es ist das Symbol der Versöhnung und des stummen Protestes gegen den Auftritt von Rechts- und Linksextremen beim Gedenken an die Zerstörung Dresdens. Auch in diesem Jahr sollen die Dresdner aus diesem Grund eine Weiße Rose tragen.
Die Geschichte: Am 13. und 14. Februar 1945 kam der Krieg nach Dresden zurück, den Deutschland am 1.September 1939 begonnen hatte und der unzählige Städte zerstörte, Millionen Menschen tötete. „Weiße Rose“ war der Name einer Widerstandsgruppe, die sowohl mutig als auch gewaltlos auftrat. Die Geschwister Hans und Sophie Scholl gründeten sie 1942 zusammen mit ihren Mitstudenten Willi Graf, Alexander Schmorel, Christoph Probst und ihrem Professor Kurt Huber.
Die Rose: Sie wird in Sebnitz hergestellt und kostet 1,25 Euro.
über die Aktion der Weißen Rose am 13. und 14. Februar
Es ist inzwischen gute Tradition, am 13. und 14. Februar die weiße Rose am Mantel zu tragen. Die Blume ist ein Symbol für Versöhnung und Toleranz und gegen Rechts- und Linksextremismus.
Wie in den vergangenen Jahren unterstützt die „Aktion Toleranz“, eine Stiftung der Sächsischen Zeitung, gemeinsam mit der Stadt Dresden und den Kirchen diese Aktion. In dieser Woche geht der Auftrag für die Herstellung der Blumen an die Kunstblumenfirmen in Sebnitz.
Die weiße Rose als Symbol hat einen großen Vorteil: Wer sie trägt, setzt ein positives Zeichen, völlig unabhängig von politischen Interessen und Parteien. Es ist das Symbol der Dresdner für Versöhnung und für Toleranz.
Von Thilo Alexe
Die Worte sind drastisch, die Botschaft ist heftig: „Dresden ist ein Symbol für Rechtsextremismus in Deutschland geworden.“ Jörn Menge von der Initiative „Laut gegen Nazis“ will damit weder die charmante Stadt verunglimpfen noch die Einwohner unter Generalverdacht stellen. Er bemängelt mit der Formulierung, dass sich Dresden zu einem Anziehungspunkt für Rechtsextremisten aus ganz Europa entwickelt hat.
Jedes Jahr kommen Tausende im Februar, um ihrem scheinheiligen Geschichtsverständnis im Rahmen eines Trauermarsches für die bei Luftangriffen 1945 Getöteten Ausdruck zu verleihen. „Die Jungs sind gut organisiert“, sagt der Hamburger Menge, der sich im Bündnis „Geh Denken“ engagiert. Sein Ziel: Mit Musik und friedlichen Demonstrationen sollen die neuen Nazis am 14. Februar gestoppt werden.
Sternförmiger Marsch
Um 13 Uhr sollen die Demonstrationszüge starten und zwar „rechts und links der Elbe“, wie „Geh Denken“-Organisator Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen sagt. Sternförmig bewegen sich die Teilnehmer auf die Innenstadt zu, voraussichtlich auf den Theater- oder den Schlossplatz. Dort sollen dann auf einer Bühne gegen 16 Uhr Abschlusskundgebung und Konzert starten. Zu den Rednern zählen SPD-Chef Franz Müntefering, die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, Vertreter christlicher Kirchen, des Zentralrates der Juden und der Bundestagsfraktionschef der Linken, Gregor Gysi.
Pop Gegen Nazis
Von der Bühne schallen aber nicht nur Reden gegen Rechts. „Prinz“ Sebastian Krumbiegel will musizieren. Und auch Schauspielerin Stephanie Stumph kündigt ein Programm an. „Ich will stolz auf diese Stadt sein und finde es wichtig, als junger Mensch Gesicht zu zeigen“, sagt die Mimin, die mit ihrem Vater Wolfgang in der ZDF-Krimiserie „Stubbe – Von Fall zu Fall“ auftritt. Der Rapper „Smudo“ von den „Fantastischen Vier“ hat seine Unterstützung zugesagt. Zudem fragt die Initiative „Laut gegen Nazis“ weitere Bands an. Mitveranstalter Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung rechnet mit 15000 Teilnehmern.
Werbung im Netz
Die Initiatoren von „Geh Denken“ werben europaweit um Unterstützer. Mithilfe europäischer Netzwerke werden außerhalb Deutschlands Partner angesprochen. Zudem nutzen sie Internetportale wie „You Tube“und „Facebook“, um für Demonstration und Konzert zu werben. Die Amadeu Antonio Stiftung hat 1500 Prominente angeschrieben. Ferner werben die Veranstalter in deutschen Städten um Teilnehmer, etwa mit einer Pressekonferenz im Januar in Hamburg.
Offene Synagoge
Bevor Aktionen, Kundgebungen und Musik beginnen, steht ein feierlicher Akt auf dem Programm. Am Morgen des 14. Februar (ab 10Uhr) feiert die jüdische Gemeinde einen überkonfessionell geöffneten Shabbat-Gottesdienst. „Eigentlich sollen dabei Ruhe und Besinnung im Vordergrund stehen“, sagt die Vorsitzende Nora Goldenbogen. Doch die Gemeinde wolle ein politisches Zeichen setzen. In den vergangenen Jahren waren Rechtsextremisten an der Synagoge vorbeimarschiert.
Debatte ums rathaus
Die Spannungen zwischen „Geh Denken“ und der Stadt scheinen abzuklingen. Vertreter des Bündnisses fordern Rathauschefin Helma Orosz (CDU) weiterhin dazu auf, an der Kundgebung teilzunehmen. Orosz hingegen hatte ein stilles Gedenken mit Friedensgebeten angekündigt. Heute will sie die Initiative zusammen mit dem Musiker Ludwig Güttler, Superintendent Peter Meis und Nora Goldenbogen präsentieren. Möglich ist, dass die Gedenkprozession in einen der Demonstrationszüge integriert wird – um den Eindruck einer Spaltung der Demokraten zu vermeiden. „Es gibt positive Signale“, sagt „Geh Denken“-Organisator Bringt.
Als unwahrscheinlich gilt jedoch, dass sich Orosz in die Redner-Riege um Gysi, Roth, Müntefering und DGB-Chef Michael Sommer einreiht. Sie hatte mehrfach vor einer Politisierung des Gedenkens gewarnt. Bringt betont derweil mit Blick auf den Zug der Rechtsextremisten, was Konsens der Neonazi-Gegner sein kann: „Es geht darum, diesen Marsch nicht zum Laufen kommen zu lassen.“
Von Christoph Springer
Initiative GehDenken erwartet am 14. Februar 15 000 Demonstranten / Prominente sagen Unterstützung zu
Dresden. Wenigstens 15 000 Menschen sollen am 14. Februar 2009 in Dresden gegen Rechtsextremisten protestieren. Prominente unterstützen den bundesweiten Aufruf dazu und die Veranstalter der Aktion „GehDenken“ hoffen, dass dieser Protest weit über die Grenzen Dresdens hinaus wirkt. Vor allem aber wendet er sich gegen die Rechtsextremen selbst, die sich im nächsten Jahr zu einem Auf-zug anlässlich der Bombenangriffe auf die Stadt im Februar 1945 treffen wollen. „Unser Ziel ist, die Demo der Nazis nicht zum Laufen kommen zu lassen“, sagte gestern Friedemann Bringt vom Vorbereitungskreis GehDenken.
„Positive Signale“ seien von der evangelischen Kirche und der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gekommen, sagte Bringt. „Wir bauen Brücken“, hat sich der Vorbereitungskreis vorgenommen, nachdem zuletzt Auseinandersetzungen um das Gedenken für mehr Schlagzeilen sorgte, als die Auseinandersetzung mit der Instrumentalisierung dieses Datums durch Rechtsextreme.
Demonstrationen beiderseits der Elbe, die vor einer Bühne auf dem Schloßplatz oder dem Theaterplatz enden, planen die GehDenken-Verantwortlichen am 14. Februar. Nora Goldenbogen, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden, kündigte einen überkonfessionellen Shabbat-Gottesdienst an. „Der Shabbat dient eigentlich der Ruhe und der Besinnung und nicht politischen Demonstrationen“, gab Goldenbogen zu bedenken, der Anlass rechtfertigt aus ihrer Sicht aber die Ausnahme. „Man muss nicht nur den Anfängen wehren, sondern auch dann etwas tun, wenn sich etwas wie in Dresden verstetigt hat“, ist sie überzeugt.
Die Hamburger Initiative „Laut gegen Nazis“ will am 13. Februar mit einem Bühnenprogramm gegen die Rechtsextremen Front machen. Sebastian Krumbiegel von den Prinzen und Schauspielerin Stephanie Stumph haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.
Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz will am 14. Februar eine stille Gedenkprozession für die Bombenopfer von 1945 veranstalten. Details dazu sollen heute bekanntgegeben werden.
Dresden. Die Erinnerung an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg soll künftig einem neuen Konzept folgen. "Wir brauchen eine Veranstaltung des Gedenkens und der Mahnung für die Bürgerschaft", sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) am Mittwoch. Erstmals werde es am 14. Februar 2009 nach Friedensgebeten in den Kirchen und einer öffentlichen Sabbatfeier in der Synagoge eine stille Prozession geben. Die Stiftung Frauenkirche veröffentlichte einen Aufruf zum gemeinsamen Gedenken am 13. Februar 2009 unter dem Motto "wahrhaftig erinnern - versöhnt leben".
Die städtische Veranstaltung sei keine Konkurrenz zur geplanten "Geh Denken"-Großdemonstration, sondern solle den Bürgern eine Erinnerung an die Opfer der Bombenangriffe vom Februar 1945 "in Würde und Ruhe" ermöglichen, so Oberbürgermeisterin Orosz. Mit einer weißen Rose als verbindendem Element könnten die Dresdner auf verschiedene Weise zeigen, was sie von rechtsextremen Aufmärschen halten, "dass wir sie in Dresden nicht wünschen". Das deutliche Bekenntnis gegen Rechts richte sich gegen den jährlichen sogenannten Trauermarsch von Rechten anlässlich der Bombardierung der Stadt an diesem Tag.
Ein Bündnis von Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Organisationen aus Dresden wirbt bundesweit um Teilnahme an einer großen Gegenaktion "Geh Denken" gegen Rechts. Geplant sind eine Demonstration, eine Kundgebung vor der Synagoge und ein Konzert auf dem Theaterplatz. Das Gedenken an der Frauenkirche am Vortag sieht die Bombardierung Dresdens als Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und Verpflichtung, in der Gegenwart und Zukunft für Frieden und Menschenrechte einzutreten, hieß es in einer Mitteilung. Es wende sich zudem "gegen jede Form der ideologischen Vereinnahmung und Verfälschung des Gedenkens".
Die Gedenkrede wird den Angaben nach der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewsky halten. Unterstützt wird der Aufruf von der Stadt, den Kirchen, der Wirtschaft und von Künstlern. An diese Gedenkveranstaltung, den ökumenischen Gottesdienst und die Nacht der Stille an knüpfen dann am 14. Februar die Friedensgebete an. Am Mittag soll dann auf dem Altmarkt, am Ort der Verbrennung der Toten, eine Inschrift angebracht werden.
Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden am 13./14. Februar 1945 waren nach neuesten Erkenntnissen maximal 25.000 Menschen ums Leben gekommen. Im allgemeinen war ihre Zahl in den vergangenen Jahren aber auf 35.000 geschätzt worden. Rechtsextreme bezifferten das Ausmaß sogar auf 250.000 Tote und mehr, um damit ein alliiertes Kriegsverbrechen zu dokumentieren.
dpa
Samstag, 20. Dezember 2008
(Sächsische Zeitung)