19 Januar, 2010 20:33
Heute gegen 14:00 Uhr kamen Beamte des Landeskriminalamt Sachsen und der Dresdner Staatsanwaltschaft in die Wahlfabrik der Linken in Dresden. Beschlagnahmt wurden im wesentlichen Rechner und mehrere Tausend Plakate der Bündnisse "Nazifrei - Dresden stellt sich quer" und "No pasaran". Außerdem wurde in Berlin der Laden "redstuff" durchsucht und dort ebenfalls Plakate beschlagnahmt.
Begründung ist ein angeblich strafbarer Aufruf nach §111 StGB zur Sprengung einer Versammlung. Dazu will man den Urheber des Aufrufs vom Bündnis "Nazifrei - Dresden stellt sich quer" und der Plakate des Bündnisses ermitteln. Es ist mit weiteren Maßnahmen zu rechnen. Von Seiten der Polizei wurde gegenüber von Mitarbeitern der Wahlfabrik angekündigt, zu kontrollieren, ob dort wieder Plakate auftauchen.
Trotz der Behauptung der Dresdner Sicherheitsbehörden sind Aufrufe zu friedlichen Sitzblockaden nicht strafbar nach §111 StGB. Dazu gibt es inzwischen eine eindeutige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Verurteilungen sind demzufolge nicht zu erwarten.
Die aktuellen Ermittlungen dienen vermutlich vor allem der Einschüchterung und zur weiteren Diffamierung der geplanten Blockaden. Auf der einen Seite die "gute, friedliche" Menschenkette der Oberbürgermeisterin und auf der anderen Seite die "bösen, unfriedlichen" Sitzblockierer. Es liegt jetzt an uns allen, dafür zu sorgen, dass diese Strategie nicht aufgeht!
Blockieren ist unser Recht!
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Stellungnahmen: Katja Kipping, Franziska Drohsel, Christian Ströbele
lokale Presse vom 20.1.:
Dresdner Neueste Nachrichten, Dresdner Morgenpost, Sächsische Zeitung
DNN (Dresdner Neueste Nachrichten), 20.1.2010, print-Ausgabe
Am 13. Februar droht Polizeinotstand
Sicherheitskräfte und die Stadt Dresden ändern ihre Strategie gegen Extremisten-Aufmärsche
Dresden
(DNN/J.K/S.H./ddp). Die Stadt Dresden und die sächsische Polizei planen
für den 13. Februar nach DNN-Informationen offenbar einen umfassenden
Strategiewechsel. Damit sollen zum 65. Jahrestag der Zerstörung der
Stadt nicht wieder Bilder von Umzügen Tausender Extremisten in die Welt
hinaus gehen.
Nach den neuen Plänen sollen nur noch Kundgebungen
zugelassen werden, aber keine Märsche mehr. Damit solle den
Demonstranten von links und ganz rechts außen das Interesse am EU-weit
einzigen Großereignis dieser Art in diesem Jahr genommen werden. Wo
auch immer sich Linke und Rechte einfinden wollen, lediglich an diesen
Treffpunkten sollen sie ihre Kundgebungen abhalten. Am Montag
informierte die Stadtverwaltung die Rechtsextremen von ihrem Vorhaben,
gestern hatten linke und andere Initiativen einen Termin beim
Ordnungsamt.
Hinter dem Strategiewechsel stehen auch
sicherheitstaktische Überlegungen. So rechnen Stadt und
Sicherheitskräfte längst mit wesentlich mehr gewaltbereiten
Demonstranten als bisher angenommen. Interne Prognosen gehen davon aus,
dass bis zu 8000 Rechtsextremisten nach Dresden kommen, darunter 2500
Gewaltbereite. Die Gesamtzahl der Gegendemonstranten dürfte bei 4000
bis 5000 liegen, davon ebenfalls bis zu 2500 mit Gewaltpotenzial. Unter
dem Strich kämen damit bis zu 5000 Gewaltbereite zusammen.
Polizeikreise gehen deshalb davon aus, dass ein sogenannter
polizeilicher Notstand ausgerufen werden könnte. Begründung: Um die
prognostizierte Zahl von Demonstranten sicher durch die Stadt zu
begleiten, wären bis zu 15000 Polizisten nötig. Die aber stehen
bundesweit nicht zur Verfügung - unter anderem wegen laufender Einsätze
bei Fußballspielen. Am Ende dürften es gut 5000 sein.
Für
Zündstoff sorgten gestern Durchsuchungen in Berlin und Dresden. An der
Elbe sind mehrere Tausend Plakate des "Bündnisses Nazifrei"
beschlagnahmt worden. Dem Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft,
Christian Avenarius, zufolge rufen die Plakate dazu auf, den
angekündigten Aufmarsch von Rechtsextremisten am 13. Februar zu
blockieren. Mit einer solchen Aufforderung sei nach dem
Versammlungsgesetz ein Straftatbestand erfüllt.
Linke und Grüne
reagierten mit Empörung auf die Durchsuchungen. Das Bündnis will an dem
Aufruf festhalten. Avenarius wies Vorwürfe zurück, der "Naziszene einen
Triumph" verschafft zu haben. "Auch diese braunen Dumpfbacken haben das
Recht zu demonstrieren und können die Demonstrationsfreiheit in
Anspruch nehmen." Wegen der strafbaren Aufforderung zu Blockaden hätten
die Ermittler tätig werden müssen.
Dresdner Morgenpost
20.01.2010
Razzia bei "Nazifrei" - Plakate beschlagnahmt
Der
Aufruf gemeinsam blockieren ist der Staatsanwaltschaft offenbar ein
Dorn im Auge. Gestern wurden Räume des Bündnisses "Nazifrei! Dresden
stellt sich quer" durchsucht, Plakate und Rechner beschlagnahmt.
Unterstützer des Bündnisses reagierten entsetzt.
Das Infobüro
des Anti-Nazi-Bündnisses auf der Großenhainer Straße und der
Antifa-Laden "Red Stuff" in Berlin-Kreuzberg bekamen gestern, 14:00
Uhr, Besuch von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Räume wurden zwei
Stunden lang durchsucht. Sämtliche Plakate, die zur Blockade der
Nazi-Demo am 13. Februar aufrufen, wurden beschlagnahmt. Dabei soll es
sich um mindestens 2000 Stück handeln. Künftig ist es verboten, mit dem
Slogan "Gemeinsam blockieren" für die Demo zu werben. "Dieser stellt
einen öffentlichen Aufruf zur Straftat dar", so Oberstaatsanwalt
Christian Avenarius. Eine genehmigt Demonstration zu blockieren stehe
laut Versammlungsgesetz unter Strafe. "Das gilt auch für Versammlungen
der braunen Dumpfbacken."
Scharfe Kritik kam von
Bündnis-Sprecherin Lena Roth: "Die Polizei möchte offenbar unseren
Protest im Keim ersticken. Das wird ihr aber nicht gelingen." Das
Bündnis ruft die Dresdner weiter auf, an den Blockaden teilzunehmen.
Katja Kipping Vize-Chefin der Linken: "Die Staatsanwaltschaft
verschafft der Naziszene einen Triumph, noch bevor diese Dresden mit
ihrer Anwesenheit belästigt." Juso-Landes-Chef Tino Buksch: "Das passt
in die Tendenz, den antifaschistischen Widerstand zu kriminalisieren."
Das
Aktionsbündnis wird von zahlreichen Politikern von SPD, Grünen und
Linken, prominenten Künstlern sowie Gewerkschaften und Parteien
unterstützt.